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Montag, 5. März 2012

Die Mission unter den Schwarzen in Galveston, Texas (Teil 1)


Es ist eine sehr betrübende Tatsache, dass von den 8 Millionen Negern der Vereinigten Staaten nur etwa 160 000 katholisch sind, während über 4 Millionen den verschiedenen protestantischen Sekten angehören. Die Frage, wie dies zu erklären und einigermaßen zu entschuldigen ist, wollen wir vielleicht ein andermal zu lösen versuchen. Vorläufig genüge die Angabe, dass seit etwa zwei Jahrzehnten anerkennenswerte Bemühungen geschehen sind, um das Versäumte einigermaßen nachzuholen.
Die Gelegenheit ist vielfach eine sehr günstige, und wenn hinreichend Mittel und Kräfte vorhanden wären, so würde es nicht schwer fallen, einen großen Teil der schwarzen Bevölkerung der Kirchen zurückzugewinnen. Was apostolischer Eifer und Opferwilligkeit auf diesem Gebiet zu leisten vermag, soll uns das Beispiel der Negermission in Galveston, Texas, beleuchten.
„Ich bin“, so schreibt uns der hochw. Herr Ph. L. Keller, „seit 12 Jahren in der Negermission von Galveston tätig, und es ist mir gelungen, jährlich eine schöne Zahl Neger für die Kirche zu gewinnen.
Freilich hatte ich mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da uns in dieser Stadt 10 oder 12 protestantische Negerprediger gegenüberstehen, die alles aufbieten, um ihre Leute von der katholischen Kirche abzuhalten. Mit den alten Negern, von denen die meisten schon irgendeiner Sekten angehören, lässt sich nicht viel anfangen. Die meisten sind dem einen oder andern Laster ergeben, und dies allein hält viele vom Eintritt in die katholische Kirche ab.
Anders steht es in Bezug auf die Jugend. Es ist zum Erstaunen, wie viele nichtkatholische Neger uns ihre Kinder zur Erziehung anbieten. Wir haben dies besonders in den letzten Jahren erfahren. Es ist mir vor 4 Jahren gelungen, nebst der schon seit 14 Jahren bestehenden Elementarschule eine Bewahranstalt und Arbeitsschule für arme und verwahrloste Negermädchen zu gründen.
Die Anstalt steht unter der Leitung von Schwestern aus der Negerrasse, die ihr Mutterhaus in New Orleans haben. Es wurden in diesen 4 Jahren 80 Kinder aus verschiedenen Teilen des Staates aufgenommen; 45-50 Kinder weilen beständig in der Anstalt.
Die meisten dieser Kinder stammen von nichtkatholischen Eltern, die es sich aber zur Ehre rechnen und sich glücklich schätzen, ihre Kinder in dieser Anstalt unterzubringen. Wir erhalten beständig Gesuche um Aufnahme, müssen dieselben aber aus Mangel an Räumlichkeiten und den nötigen Mitteln zu unserem großen Bedauern ablehnen.
Die Anstalt ist gänzlich auf Almosen angewiesen, die aber leider, anstatt den Anforderungen entsprechend zu wachsen, sich allmählich verringern. Die Mission erhält jährlich eine Unterstützung von dem katholischen Büro für Indianer- und Negermissionen; doch reichte der Betrag z.B. in den letzten Jahren nicht einmal, um die Unkosten auf zwei Monate zu decken. Die Beschaffung der nötigen Mittel zum Unterhalt dieser armen Kinder nimmt deshalb einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch und hindert mich vielfach an der sonstigen notwendigen oder nützlichen Tätigkeit in der Mission.
Trotzdem bin ich entschlossen, auch fernerhin der Erziehungsanstalt meine Hauptaufmerksamkeit zu schenken, da der Erfolg derselben auch die kühnsten Erwartungen übertrifft. Wie schon gesagt, ist bei weitem die große Mehrzahl der Kinder bei ihrer Aufnahme in die Anstalt nicht katholisch. Durch den beständigen Verkehr mit den Schwestern und die Teilnahme an den religiösen Übungen und dem Gottesdienst lernen sie die katholische Religion kennen und gewinnen dieselbe lieb.
So reift in ihnen nach einiger Zeit der Wunsch, katholisch zu werden. Die Eltern oder sonstigen Angehörigen, deren Erlaubnis die Kinder vor ihrem Eintritt in die katholischen Kirche einholen müssen, machen in der Regel keine Einwendungen, sondern sagen: ‚Es ist uns einerlei, welcher Kirche sich anschließen, so lange dieselben nur gut erzogen und brave Menschen werden.‘
Wir haben erfahren, wie solche Kinder, die nach zwei- oder dreijährigem Aufenthalt in der Anstalt zu ihren Angehörigen zurückgekehrt sind, mit Stolz auf die katholische Religion hinweisen, und solchen, die sich über die Kirche verächtlich ausdrücken, zur Antwort geben: ‚Wenn ihr die katholische Kirche kennen würdet wie ich, dann würdet ihr auch verlangen, katholisch zu werden.‘
Es ist also zu erwarten, dass diese Kinder später unter ihren Angehörigen als kleine Apostel wirken werden. Ferner werden dieselben in der Anstalt an Ordnung und Sittsamkeit gewöhnt und lernen alle nötigen Hausarbeiten wie Kochen, Nähen, Stricken, Flicken usw. Damit ist die beste Garantie geboten, dass sie zu braven, ordentlichen Menschen heranwachsen. Die bisherigen Erfolge berechtigen zu den schönsten Hoffnungen.



(Aus: die katholischen Missionen, 1902)

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