Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Sonntag, 14. Dezember 2014

Große Missionsbischöfe: Der Apostel der Papuas – Der Diener Gottes Msgr. Enrico Stanislao Verjus M.S.C., Koadjutor des Apostolischen Vikars von Neu-Guinea (Teil 2)

Fortsetzung von hier

1887 wurde P. Louis Navarre zum Apostolischen Vikar von Mikronesien und Melanesien ernannt, und zwei Jahre später wurde die inzwischen deutsch gewordene Insel Neu-Britannien als eigenes Apostolisches Vikariat von „Neu-Pommern“ errichtet und P. Verjus anfangs zum ersten Apostolischen Vikar ausersehen. Das bedeutete für P. Verjus nichts Geringeres, als seine geliebte Mission von Neu-Guinea im Augenblick zu verlassen, da sie hoffnungsvoll zu blühen begann. 
Der leidende Zustand Msgr. Navarres ließ es jedoch ratsamer erscheinen, ihm den noch jugendkräftigen Mitbruder als Koadjutor an die Seite zu stellen, und so verblieb P. Verjus in Neu-Guinea zum Jubel seiner Mitbrüder und Neophyten. 

Seine Bischofsweihe fand am 29. September 1889 mitten im Urwald statt. Nur 14 Tage lang hatten die Missionsschwestern Zeit gehabt, aus ihren kleinen Schätzen, alten Epauletten, Tuchresten u. dgl., einen ganzen Bischofsornat fertig zu zaubern. Auch ein hölzerner goldbronzierter Bischofsstab fehlte nicht. Msgr. Verjus zählte damals erst 29 Jahre, 4 Monate und 3 Tage. Die erhebende Feier war für ihn der Anfang eines apostolischen Opferlebens, wie es ein Missionsbischof selbstloser kaum führen kann. „O guter und einzig geliebter Jesus“, so weihte der jugendliche Bischof sich schriftlich dem göttlichen Herzen, „ich biete mich heute durch die reinsten Hände deiner Mutter deiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit als Opfer dar, indem ich dich bitte und beschwöre, dasselbe zu reinigen, zu heiligen und gänzlich zu vernichten, als Zahlung für die Schulden dieser armen Insulaner und um ihnen die Gnade der Bekehrung zu erwirken. Ich erkläre, o mein Gott, dass du mich beim Wort nehmen und mich all die Härte deiner Gerechtigkeit empfinden lassen kannst. Ja, ich stimme zu, mein Gott! Ich wünsche es! Ich will es! Ich verlange es aufs Innigste… Diese Seelen müssen gerettet, müssen durch dein Blut gewaschen, gereinigt, erlöst werden. Und wenn, o teurer Jesus, um ihnen diese Gnade zuzuwenden, Blut, Qualen, eine Leidenswoche, eine Geißelung, eine Kreuzigung, ein lebendiger Kreuzweg notwendig sind, o so beschwöre ich dich, mein Jesus, nimm mich an. Sieh mich mit allem, was ich bin und habe, mein Blut, meinen Leib, mein Herz, meine Seele, mein ganzes Wesen und Sein“…

Das blieben keine bloßen Worte. Um die geringe Zahl der Missionäre zu ersetzen, suchte sich der junge Missionsbischof selbst gleichsam zu verdreifachen. Ohne Ruhe und Schonung durchzog er das wilde, noch ganz unzivilisierte Land von Stamm zu Stamm, von Dorf zu Dorf, voll verzehrendem Eifer, diese armen Kannibalenvölker dem göttlichen Herzen zu gewinnen, dessen Andacht die Glut und Begeisterung dieser apostolischen Seele entflammte. In acht Jahren waren denn auch auf Neu-Guinea bereits acht Niederlassungen mit ebenso vielen Kirchen und stark besuchten Schulen und zwei Klösterchen für die Schwestern gegründet, sämtlich eigenhändig aus dem an Ort und Stelle vorgefundenen Material erbaut. 300 Dörfer verlangten Missionäre und Unterricht. Alle Bewohner der Jule-Insel, 700 Seelen, waren bekehrt und getauft und gingen ohne Ausnahme alle 14 Tage zu den heiligen Sakramenten und regelmäßig zum Gottesdienst. 

Bereits waren Katechismus und die anderen notwendigsten Bücher in der Landessprache gedruckt, eine Katechistenschule gegründet usw., und dies alles in kaum acht Jahren. Es war merkwürdig, welchen Einfluss der Bischof auf die wilden Insulaner gewonnen. Das Geheimnis desselben verriet der selbst, ohne zu wollen, in einem Brief an seine jungen Ordensbrüder. „Es muss etwas Göttliches in und an euch sein, das die Wilden anzieht, und dies werdet ihr durch die fleißige Betrachtung und Nachahmung unseres Herrn Jesus Christus und  insbesondere seines göttlichen Herzens euch aneignen.“ Nur ein Beispiel aus vielen. Die Gewalttätigkeiten und Übergriffe der englischen Kolonisten und „Forscher“ hatten die Wilden erbittert, und wie gereizte Hornissen bedrängten sie mordgierig die Kolonien. In seiner Not bittet der englische Statthalter den Bischof persönlich um dessen Hilfe. Msgr. Verjus erscheint ohne jede bewaffnete Bedeckung, wie ein Friedensengel unter den wilden kampfgerüsteten Horden. Diese, die schon früher einmal die Streitaxt ihm zum Zeichen der gegenseitigen Versöhnung zweier kämpfender Stämme ausgeliefert und ihn in feierlicher Versammlung zum „Oberhäuptling“ ernannte hatten, gehorchen auch jetzt wieder seiner Aufforderung zum Frieden. Zur Erinnerung an die Begebenheit gründet der Bischof ein neues Dorf unter dem Namen Jesu Baïbo, d. h. Frieden Jesu. 

Die raschen Fortschritte der Mission machten einen Zuzug neuer Arbeiter und Mittel unerlässlich, und so reiste Msgr. Verjus im Lauf des Jahres 1892 nach Europa. Bald kniete er zu den Füßen des Statthalters Christi und überreichte ihm eine aus 300 Häuptlingsfedern gefertigte Tiara als Zeichen der Huldigung seiner Neubekehrten. Darauf wollte er die verschiedenen Häuser seiner Genossenschaft besuchen, um neue Kräfte für seine geliebte Mission zu werben. 

In Oleggio, seinem Geburtsort, den er im Vorbeireisen berührte, sah er seine hochbetagte Mutter wieder, und hier war es, wo Gott das schwerste Opfer von ihm forderte. Ein schlimmes Fieber warf ihn unerwartet aufs Krankenbett. Anfangs hoffte er noch Besserung. „O wie werde ich einst im Fegfeuer leiden müssen für die Zeit, die ich hier im Bett vergeude!“ seufzte er in seinem Verlangen, recht bald wieder in seine geliebte Mission zurückkehren zu können. Selbst in seinen Fieberträumen sprach er von seinen armen Insulanern. Doch sollte sein sehnsüchtigster Wunsch sich nicht erfüllen. Bald war alle Hoffnung verschwunden. Ergreifend war der Schmerz der alten Mutter. Aber Gott in seinen unerforschlichen Ratschlüssen verlangt das schwere Opfer. Am Morgen des 13. November, seinem Namenstag, gab der jugendliche Bischof seine reine, edle Seele dem Schöpfer zurück. Eine schmerzliche Klage ging durch alle Häuser der Genossenschaft, die in dem frommen, seeleneifrigen  jungen Bischof eine ihrer schönsten Zierden verloren hatte.

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Samstag, 13. Dezember 2014

Große Missionsbischöfe: Der Apostel der Papuas – Der Diener Gottes Msgr. Enrico Stanislao Verjus M.S.C., Koadjutor des Apostolischen Vikars von Neu-Guinea (Teil 1)


Am 13. November stand im Pfarrhaus von Oleggio in Oberitalien um das Paradebett einer noch jugendlichen, in den bischöflichen Ornat gekleideten Leiche ganz in Schmerz aufgelöst eine Gruppe von Missionären. Sie hatten Grund zur Trauer, denn der Tod hatte hier plötzlich und jäh ein Leben geknickt, an das sich die freudigsten Hoffnungen geknüpft hatten. Es war Msgr. Enrico Stanislao Verjus, Koadjutor des Apostolischen Vikars von Neu-Guinea, Msgr. Navarre, und Mitglied der Missionsgesellschaft vom heiligsten Herzen von Issoudun (Herz-Jesu-Missionare).

Ein eigentümlich rührender Zug durchzieht das kurze Leben dieses jüngsten aller katholischen Bischöfe. Geboren am 26. Mai 1860 in Oleggio am Fuße der Alpen, trat der kleine Savoyarde, kaum 12 Jahre alt, in die Missionsschule des göttlichen Herzens in Cehzal-Benoit bei Issoudun. Unschuld, innige Frömmigkeit und ein überaus heiterer, liebenswürdiger Charakter machten ihn schon damals zum Liebling des Hauses. Er war es, der seine kleinen Kameraden zum gemeinsamen Entschluss vereinigte, täglich während der heiligen Wandlung um die Gnade des Martyriums zu beten. Kaum zum Priester geweiht, bot er sich begeistert für die Missionen in der fernen Südsee an, die seit 1881 der jungen Kongregation übergeben worden waren. Bereits liegt der Dampfer im Hafen zur Abfahrt bereit; da plötzlich wirft eine schwere Krankheit den jungen Missionär aufs Totenbett. Alle Hoffnung schien verloren. Fast in den letzten Zügen liegend, machte er das Gelübde, wenn Gott ihm die Gesundheit wiederschenke, sein ganzes Leben rückhaltlos im Dienste der armen Insulaner zu opfern. Er genas und konnte schon mit dem nächsten Dampfer abreisen. Auf der Insel Bourbon traf er die ihm vorausgeeilten Brüder im Spital und machte nun mehrere Wochen den liebevollen Krankenpfleger.


Endlich im Januar 1885 landete man in Sydney. Neue unerwartete Hindernisse stellten sich hier dem Plan entgegen, die Mission auf Neu-Guinea sofort zu beginnen. Da unternahm der feurige junge Missionär, voll heiliger Ungeduld, das große, an Naturschönheiten so reiche, aber noch ganz in Götzendienst versunkene Inselland, sein eigentliches Missionsfeld, recht bald zu betreten, im Jahre 1885, von nur zwei Brüdern begleitet, auf einer einfachen großen Fischerbarke jene kühne Fahrt, die er uns selbst in seiner lebendigen Darstellungsweise erzählt hat. Drei Tage wurden sie auf stürmischer See umhergeworfen, jeden Augenblick des Todes gewärtig. Eine weiße Taube, die sich müde auf die Segelstange setzte, kündete ihnen endlich die Nähe des Landes, und bald darauf rief einer der Brüder: „Neu-Guinea! Neu-Guinea!“ Wirklich, da lag das Land der Verheißungen vor ihnen, und Freudentränen traten in ihre Augen. 

In einer wunderschönen, von Bergen umgürteten Bucht (Hall Sound) warfen sie am 30. Juni Anker. P. Verjus nannte sie zu Ehren des glorreich regierenden Papstes Port Léon und beschloss, auf der den Eingang der Bucht beherrschenden Insel Roro oder Jula die erste Missionsstation zu gründen. Am 4. Juli las er dort unter Tränen der Rührung die erste heilige Messe. Nun folgten drei Monate der härtesten Entbehrungen. Rasch waren die kleinen Vorräte aufgezehrt, und die drei Missionäre litten die bitterste Not. Oft lagen alle drei gleichzeitig fieberkrank auf einem Heulager in einer Hütte, die sie kaum gegen die Witterung schützte. Aber mitten in diesen Prüfungen verlor P. Verjus nie seinen Mut und sein kindlich frommes Gottvertrauen. Immer wusste er durch einen heiteren Scherz die Brüder wieder aufzurichten. Bäume wurden im Urwald gefällt und mit unsäglicher Mühe auf eine Anhöhe geschleppt, wohin die kleine Kapelle zu stehen kam. 

Die gewinnende Freundlichkeit des jungen Schwarzrocks hatte rasch das Zutrauen der Insulaner erobert. Aber schon eröffneten sich dem eifrigen Priester die frohesten Hoffnungen, als im September eine halb gewaltsame Entführung durch das protestantische Missionsschiff erfolgte, die wir im Jahrg. 1886 erzählten. Mit Tränen schied der Missionär von dem liebgewordenen Eiland, und klagend folgten die Insulaner der Schaluppe bis ins Wasser hinein und riefen noch von ferne im nach: „Komm bald zurück, Mitzianari (Missionär), komm bald zurück und vergiss nicht deine Söhne von Roro!“ Selbst die rauen Seeleute des Dampfers waren bewegt und sagten: „Diese armen Leute wissen recht gut, wer ihre wahren Freunde sind.“ 

Glücklicherweise dauerte die Verbannung nicht lange. Im folgenden Jahr bereits kehrte P. Verjus mit Erlaubnis des neuen, den Missionären günstig gesinnten englischen Gouverneurs nach Roro zurück und zog, wie er schreibt, „fröhlich wieder in den Leo-Hafen ein“. Er fand seine Hütte geplündert und die Insulaner durch die Anwesenheit eines protestantischen Missionärs gegen sich eingenommen. Aber in kurzer Zeit waren die Herzen wieder gewonnen, und rasch wuchs nun eine kleine Christengemeinde heran. Von der Insel aus wurde nun auch das Festland in Angriff genommen. P. Verjus entdeckte den großen schönen St. Josephsfluss, der eine treffliche Wasserstraße ins Herz des Landes bildet und an welchem zahlreiche Dörfer liegen. „Wir besitzen nichts, und haben trotzdem auf Neu-Guinea mehr Länder entdeckt und den Wilden mehr Gutes getan als die berühmten wissenschaftlichen Forschungsreisen, die 4000 Pfd. Sterling verschlangen.“ So konnte P. Verjus mit Recht sagen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

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Freitag, 12. Dezember 2014

Unsere Liebe Frau von Guadalupe zu Juan Diego


„Wisse, mein lieber Sohn, dass ich Maria bin, die immerwährende Jungfrau, die Mutter des wahrhaftigen Gottes, des Urhebers des Lebens, des Schöpfers von allem, des Herrn des Himmels und der Erde, dem alles zu eigen ist. Es ist mein Wunsch, dass man mir an dieser Stelle eine Kirche erbaue, wo ich als mitleidige Mutter, geliebt von dir und deinen Stammesgenossen, meine liebevolle Erbarmung zeigen und das Mitleid offenbaren will, das ich mit deinem Volk und mit allen trage, die mich lieben und mich in ihren Arbeiten und Leiden anflehen. Und so oft ich ihre Seufzer und Bitten höre, werde ich sie trösten und ihren Kummer erleichtern. Darum tue, was ich dir sage, und gehe zur Stadt Mexiko und zum Palast des Erzbischofs, der dort residiert, und sage ihm, dass ich es bin, die dich sende. Es sei mein Wunsch, dass man mir an diesem Orte eine Kirche erbaue. Erzähle im alles, was du gesehen und gehört hast, und sei versichert, dass ich dir dankbar sein und dich für alles, was du in dieser Sache tun wirst, belohnen werde. Mein Sohn, nun hast du meinen Wunsch vernommen; gehe jetzt in Frieden.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1894)

Montag, 8. Dezember 2014

Zum Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens (160. Jubiläum der Verkündigung des Dogmas)


Allen Lesern wünsche ich ein gesegnetes Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens. Heute jährt sich die Verkündigung des Dogmas durch Pius IX. zum 160. Mal

Nachfolgend vier Posts zu diesem Thema, darunter eine schöne Verteidigung des Dogmas durch einen frommen Polynesier und drei Posts über Lourdes in den Missionen:

Ein Südsee-Insulaner verteidigt das Dogma der unbefleckten Empfängnis



Ein chinesisches Lourdes



O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu Dir unsere Zuflucht nehmen!

Sonntag, 7. Dezember 2014

Die Ursulinen in den Rockies – Ordensschwestern unter Indianern, Cowboys und Kojoten

Mother Amadeus Dunne O.S.U., die Gründerin der Ursulinenmission in Montana

Wir entnehmen einem amerikanischen Blatt das folgende anerkennende Zeugnis über das opferwillige Leben dieser Klosterfrauen im fernen Nordwesten. „Die Welt“, beginnt der Berichterstatter, „ist sonst so begierig, ihre sogen. Helden zu feiern und ihnen Denkmäler zu errichten, und während dessen ziehen täglich Helden und Heldinnen an uns vorüber, und wir wissen es nicht. Geräuschlos wandeln sie dahin, und selbst ihre Gräber liegen unbeachtet und vergessen. Dieser Gedanke drängte sich mir auf, als ich vor einiger Zeit zwei Ursulinen antraf, die sich in Begleitung eines Vollblutindianermädchens auf der Reise nach Washington befanden, um dort mit der Regierung wegen ihrer Mission zu verhandeln. Diese Frauen sind in gebildeten Kreisen aufgewachsen, gewöhnt an alle Annehmlichkeiten eines zivilisierten und verfeinerten Lebens, als sie in den Orden eintraten. Sie waren noch jung oder standen höchstens in den mittleren Lebensjahren. Und was war ihr Leben seit jenem Augenblick, da sie dem Rufe folgte: ‚Verlass alles, was du hast, und folge mir nach‘? In Kälte und Hunger und unbeschreiblichen Entbehrungen wohnen sie in den wildesten Teilen des Felsengebirges in roh gezimmerten Blockhütten, um an 900 über das weite Gebiet zerstreuten Indianerkindern Mutterstelle zu vertreten, für sie zu kochen, zu waschen, zu bügeln und ihre Kleidchen zu flicken, vor allem aber, um sie zum Christentum zu führen und an ein zivilisiertes Leben zu gewöhnen. Nichts hat sie von dieser Aufgabe zurückzuschrecken vermocht, sie haben ausgehalten, und ihre Ausdauer ist mit Erfolg gekrönt worden. Das Indianermädchen in ihrer Begleitung war so gut erzogen, dass in der Weltausstellung von Chicago seine Leistungen einen Platz fanden.

Und welche Abenteuer die Schwestern in jener Wildnis erleben! Um die Indianerkinder bei guter Gesundheit zu erhalten, haben es die Schwestern für notwendig gefunden, einmal im Jahr mit ihnen 14 Tage lang einen Ausflug in die freie Wildnis zu machen und dort in Zelten mit ihnen eine Art Picknick-Leben zu führen. Bei einer solchen Gelegenheit war es, dass eine der beiden genannten Schwestern einst mitten auf der wilden Prärie von der Nacht überrascht wurde. Das Gefährt war zusammengebrochen, und die Pferde waren ausgerissen. Der begleitende Wagenführer und Beschützer war so gelähmt, dass er kaum mehr gehen konnte. Die dunkle Nacht brach ein, und aus der Ferne ertönte das Geheul der Kojoten. 15 Meilen hatten die Verunglückten sich mühsam vorangeschleppt, als plötzlich ein Lärm wie das Getrampel eines Pferdetrupps an ihre Ohren schlug. Es war ein Rudel Kojoten, welche die Leute gewittert hatten und im schnellsten Lauf den nächtlichen Wanderern sich nahten. In ihrer Angst nahm die Schwester ihre Zuflucht zu Maria und rief mit einem lauten Memorare um Hilfe. Seltsam! Wie von Schrecken erfasst, machte die wilde Hetze sofort Kehrt und jagte zurück über die nahen Hügelhänge.

Bei einer anderen Gelegenheit brachte dieselbe Schwester eine kranke Ordensfrau von einer Station zur anderen. Ein Indianerjunge machte den Kutscher und ein Missionär den Begleiter. Da kam über sie ein Blizzard, dieser Schreck des nordamerikanischen Westens. Der Wagen wurde umgeworfen, ein Schneewall von 4 m Höhe türmte sich vor ihnen auf, das Thermometer sank auf 42 Grad unter null. Fast wären die Verunglückten erfroren. Da raffte der Missionär sich auf, und es gelang ihm mit dem Aufgebot der letzten Kraft, sich mit einem der Pferde Bahn zu brechen und in der nächsten Station Hilfe zu holen. Am nächsten Morgen kam eine indianische Feldwache und brachte die Schwestern nach Fort Custer, wo sie von den Damen liebevoll aufgenommen wurden. Um den Frost aus den erstarrten Gliedern zu vertreiben, mussten Ölbäder angewandt werden, und mehrere Tage vergingen, bis die Wirkungen jener schrecklichen Nacht überwunden waren.“

Durch Buffalo Bills Wild-West sind die amerikanischen Cowboys, dieser wilde Typus berittener Hirten, weithin bekannt geworden. Es ist interessant, was unser Gewährsmann über das Verhalten dieser trotzigen Söhne der freien Prärie den Schwestern gegenüber berichtet. „Wir, die so stolz sind auf unsere feinen Sitten und unser Gefühl und Verständnis für alles Schöne, lassen uns nicht träumen, dass wir in der Wertschätzung dessen, was edel, rein und heilig ist, übertroffen werden von den unbändigen Cowboys der Prärie. Nichts kann die Ehrfurcht und zarte Aufmerksamkeit übertreffen, mit der sie die Schwestern bei zufälliger Begegnung in der Wildnis behandeln. Wenn ein Unwetter sie überrascht hat, dann heißen diese rauen Bewohner der Steppe sie in ihren Blockhütten freundlich willkommen und sagen zueinander: ‚Jungens, wir müssen sehen, dass wir den Schwestern etwas zu essen verschaffen.‘ Dann räumen sie die Hütte und überlassen sie für die Nacht ganz den Schwestern, während sie selbst im Freien irgendwo Unterschlupf suchen. Sie sehen in den Klosterfrauen etwas Übermenschliches und Engelhaftes. Und doch sind diese rohen Leute zumeist nicht Katholiken. Wenn sie auf dem Weg neben ihnen herziehen und sie merken, dass die Schwestern ihr Offizium beten wollen, dann unterbrechen sie ihre Unterhaltung, indem sie einander zuflüstern: ‚Still, die Schwestern sind am Beten!‘

„Wenn man dann die Schwestern“, so schließt der Berichterstatter,  „In der muntersten Weise erzählen hört, dass sie lange Zeit in ihrer Niederlassung einen einzigen Stuhl besaßen, der beim Besuch des Bischofs ihm überallhin nachgetragen wurde, oder dass sie nicht selten, wenn sie am Morgen erwachten, 2–3 Zoll Schnee auf ihrer Bettdecke finden, so mutet dies alles einem an wie ein Strauß duftender Blumen aus der Wildnis.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)


Samstag, 6. Dezember 2014

Die Weißen Schwestern während der Hungersnot in Algerien



(…) Die Weißen Schwestern tun ihr Möglichstes, um diese Opfer des Hungers [die Kinder] dem Tod zu entreißen: sie betten sie weich und suchen mit mütterlicher Sorgfalt ihnen die stärkende Nahrung beizubringen, freilich in ganz geringer Menge, um sie nicht zu töten. Aber diese Kinder haben so sehr gelitten, dass beim Anblick dieser lang entbehrten Nahrung ein Ekel sie erfasst, so dass der Magen nicht mehr im Stande ist, sie anzunehmen, wenigstens nicht, sie zu behalten. Fünfzehn dieser Kinder sind dem Übermaß der ausgestandenen Entbehrungen bereits erlegen. Unter ihnen befand sich auch der ältere der beiden Knaben, deren ich in meinem ersten Brief erwähnt, die zwei Tage lang auf der Landstraße neben der Leiche ihrer Mutter ausgeharrt hatten. Er bereitete sich auf seinen Tod vor wie auf ein Fest, und seine frommen Fragen und Äußerungen rührten den Missionär zu Tränen. Auch die übrigen haben dieses Jammertal nicht verlassen, ohne ihre Eintrittskarte für den Himmel mitzunehmen.

(…) Schon seit Jahren haben die Schwestern den Trost, alle Sterbenden [in ihrem Spital], auch die Erwachsenen, taufen zu dürfen. Es ist dies die Frucht ihrer aufopfernden Hingabe und Krankenpflege. Die Araber sind infolge der Entbehrungen, des Klimas, der angeborenen Unreinlichkeit und der durch ihre Religion [den Islam] sanktionierten Laster Krankheiten ausgesetzt, von denen man in Europa sich schwer einen Begriff macht. Die davon Befallenen werden von ihren Familien häufig verstoßen und verlassen; auch wenn dies nicht der Fall ist, finden sie nie auch nur annähernd entsprechende Pflege. Ist es  da zu verwundern, dass der Anblick dieser weißgewandeten Schwestern, die ihr Vaterland, ihre Familie verlassen, um, selbst den verderblichen Einflüssen des Klimas ausgesetzt, sich liebend ihrer Pflege zu widmen, auf diese egoistischen Naturen einen niemals empfunden Eindruck macht und das wärmste Dankgefühl erregt? Ein wenig Nachdenken bringt sie dann zu dem Schluss, dass eine Religion, die eine solche Barmherzigkeit lehre, besser sein müsse als die ihre. Viele verlangen aus eigenem Antrieb, in derselben zu sterben. Bei anderen können die Missionäre ohne Anstand auf religiöses Gebiet übergehen, sobald sie die Kranken vom Arzt aufgegeben wissen, ohne die Freiheit des Gewissens im Geringsten zu beeinträchtigen. Die liebevolle Pflege, die ihnen zuteil geworden, hat uns ihr Herz gewonnen. „Ihr fremden Marabus“, sagen sie, „ihr wisst alles; ihr wisst auch, welches die beste Religion ist. Ihr wollt uns nicht betrügen, denn die Lüge hat eure Lippen nie berührt. Ja, ich will leben und sterben wie ihr!“ – Ein junges Mädchen befand sich seit 14 Tagen im Spital. Ihr Gaumen, ihr Hals waren vom Krebs zerfressen. Man fragte sie, ob sie nicht als Christin sterben wolle. „Aber darum bin ich ja hierhergekommen“, sagte sie einfach; „wenn ich nicht sterben wollte wie ihr, wäre ich bei meinen Eltern geblieben.“ – Ihr Tod war außerordentlich erbaulich.


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Der heilige Franz Xaver – kein Freund des interreligiösen Dialogs



Als der hl. Franz Xaver, der große Apostel Indiens, nach Goa kam, da betrübte es ihn am meisten, dass er sah, wie niemand sich der armen Kinder annahm und diese in großer Unwissenheit aufwuchsen. Obgleich er nun mit Arbeiten ganz überladen war, nahm er sich doch täglich die Zeit, um mit einem Glöckchen in der Hand die Straße zu durchwandeln und die Kinder zum Religionsunterricht zu sammeln. Die von ihm unterrichteten Kinder wurden dann selbst Missionäre bei ihren Eltern und zerstörten deren Götzenbilder.

(Aus: die katholischen Missionen, 1875)