Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Dienstag, 9. Februar 2016

Historisches Foto: Don Bosco und seine ersten Missionäre


Das Foto zeigt den heiligen Don Bosco (erste Reihe, Zweiter von links) mit seinen ersten Missionären, die nach Patagonien gesandt wurden. Neben ihm links der spätere Kardinal Cagliero, dem er die Regel der Salesianer übergibt. Der stattliche Mann in Uniform ist der argentinische Konsul.

Mehr über Don Boscos Liebe zur Mission hier. Die Geschichte seines geistlichen Sohnes, der der erste Purpurträger der Salesianer wurde, hier, hier und hier.

Samstag, 6. Februar 2016

Zum Sonntag Quinqagesima: Sei sehend!

„Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ (Lk 18, 38)

In der Nähe des göttlichen Heilandes belebt sich der Glaube und die Hoffnung des Blinden. Wir hören, wie er mit aller Zuversicht seine Bitte stellt: „Herr, dass ich sehend werde.“ Um sein Augenlicht bittet der Blinde. Um das eine fleht er, was ihm vor allem nottut zu einem glücklichen Leben. Er verschmäht alles andere, denn was immer er haben könnte, ohne Licht kann er nicht schauen, was er hat. Nicht um Reichtum bittet er, nicht um Ehre, nicht um Brot, nur um das eine: „Herr, dass ich sehend werde.“

Andächtige Christen! Nur eines tut den Heiden not: dass sie sehend werden. Was nützt alles andere, was Kulturreichtum, was Literaturstolz, wenn ihnen das Licht fehlt, um den wahren Wert der Dinge abzumessen. Mache, o Herr, dass sie sehend werden und die Blindheit ihrer Seelen gehoben werde, mit der eitler Götzenwahn sie geschlagen hat; dass sie sehend werden und die Irrwege schauen, ihre Wege der Torheit und der Sünde; dass sie sehend werden und dich als Gott erkennen und Christus, deinen Sohn, den du gesandt hast, und so das ewige Leben haben.

Die Blindheit der Heidenwelt soll gehoben werden durch das Licht des wahren Glaubens. Dieses Licht, andächtige Christen, muss ihnen gebracht, und zwar durch uns gebracht werden. Unser Glaube muss seinen hellen Schein in die Nacht der Heidenwelt tragen: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5, 14). Wir alle sind nach den Worten des hl. Paulus Lichtkinder und Tagessöhne (1 Thess 5, 5), und Lichtträger sollen wir sein der Heidenwelt. „Gesetzt habe ich dich zum Lichte der Heiden, dass du seiest zum Heile bis an das Ende der Erde“ (Apg 13, 47). Diese Worte, die von den ersten Heidenmissionären, den hll. Paulus und Barnabas, geschrieben stehen, gelten auch von jedem Missionär, der mit der Leuchte des Evangelium zu den Heiden hinauszieht, gelten von jedem Christen, der in seiner Glaubensüberzeugung das heilige Missionswerk unterstützt. Nur auf diese Weise kann die Kirche ihre Missionspflicht erfüllen und im Namen ihres göttlichen Stifters auf die Bitte der Heidenwelt antworten.


(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)

Dienstag, 2. Februar 2016

Theresia von Lisieux: Losgekaufte Sklavenkinder statt Kondolenzkränze




Sie wollte, dass auch ihr Tod den Missionen, die sie so opferfreudig unterstützt hatte, Nutzen bringe. 
„Mann soll keine Kränze annehmen“, sagte sie, „um meinen Sarg zu schmücken, wie man es für unsere gute Mutter Genoveva getan hat; bitten Sie doch, dass man mit dem dafür bestimmten Geld arme kleine Neger aus der Knechtschaft loskauft, sagen Sie, dass mir dies lieber ist.“


(Aus: Das Leben der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, von Msgr. Laveille, deutsche Ausgabe)

Sonntag, 31. Januar 2016

Zum Sonntag Sexagesima: „Der Same ist das Wort Gottes“




„Der Same ist das Wort Gottes.“ Wird es zur Aussaat nicht hinausgetragen, dann bleibt der große Acker der Heidenwelt tot und unfruchtbar für die Ewigkeit. Der traurige Zustand der Heidenwelt zeigt uns zur Genüge, wie notwendig die Aussaat des göttlichen Samens ist. Aus sich selbst vermag der Mensch nicht die übernatürlichen Wahrheiten zu erfassen und zur Kenntnis der Geheimnisse des heiligen Glaubens zu gelangen. Gott muss sie uns offenbaren. Wenn es daher Glaubensgeheimnisse gibt, deren Kenntnis dem Menschen zu seinem Heil notwendig sind, so schließen wir mit Recht auf die Notwendigkeit der Mission. Die göttliche Offenbarung, die für alle Menschen gegeben wurde, darf keiner einzigen Menschenseele vorenthalten bleiben. Der Same des Wortes Gottes muss  ausgesät werden über die Völker, dann wird zur Wahrheit werden das Wort des Propheten Isaias: „Die Erde ist voll der Erkenntnis des Herrn, wie Gewässer den Meeresgrund decken“ (Is. 11, 9).

„Der Same ist das Wort Gottes.“ Wie der Mensch durch eigene Verstandeskraft die hohen Glaubenswahrheiten nicht erfassen kann, so kann er auch nicht durch eigene Willenskraft der erkannten Wahrheiten nachstreben. Gottes Gnade muss ihm zu Hilfe kommen. Je mehr wir, andächtige Christen, von der Notwendigkeit der göttlichen Gnade für den Menschen überzeugt sind, desto mehr wird sich uns auch die Überzeugung aufdrängen, wie notwendig die Missionstätigkeit und wie groß die Pflicht ist, sie auch auszuüben. Gott hat die vorzüglichsten Gnaden unseres übernatürlichen Lebens an die Heilsmittel, die heiligen Sakramente, gebunden. Ihre Verwaltung und Ausspendung hat er der Kirche anvertraut. Das Hirtenamt der Kirche hat daher die Pflicht, die ihr anvertrauten Heilsmittel allen Menschen zugänglich zu machen. Wie allen Menschen das Wort Gottes gepredigt werden soll,  so sollen alle durch den Geist der göttlichen Wahrheit gestärkt und befestigt werden, soll allen das lebendige Brot des Lebens gereicht werden.  „Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste, kann er nicht eingehen in das Reich Gottes“ (Jo. 3, 5), und: „So jemand isst von diesem Brote, wird er leben in Ewigkeit; und das Brot, welches ich geben werde, mein Fleisch ist es für das Leben der Welt“ (Jo. 6, 52).


(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)

Samstag, 30. Januar 2016

Große Missionsbischöfe: kurzes Leid, ewige Glorie – St. Antonino Fantosati O.F.M., Apostolischer Vikar von Süd-Honan

St. Antonino Fantosati O.F.M.

Ein überaus qualvolles Ende [wie Msgr. Hamer] fand auch der Apost. Vikar von Süd-Honan, Msgr. Antonino Fantosati O.F.M. Am 4. Juli brach in der Mission das Unwetter los. Sämtliche Missionsanstalten und Christenwohnungen der Präfektur Hang-tschau wurden von dem wütenden Pöbel zerstört, zwei Missionäre in Huang-sa-van ergriffen und getötet. 

Der Apost. Vikar befand sich gerade in Ka-mu-kiao, um den Bau einer Kapelle zu leiten. Auf die Kunde von der Gefahr seiner Christen mietete er rasch eine chinesische Flussdschonke und fuhr in Begleitung des [heiligen] P. Joseph Gambaro nach der Hauptstadt Heng-tschon-fu zurück. Die Fahrt dauerte 1 ½ Tage. Unter den Mauern der Stadt angelangt, sandte er zunächst einen Boten an den Tao-tai (Stadtbehörde) und bat um Audienz und Schutz für seine Herde. Nach einem Bericht gab der Obermandarin in hinterlistiger Tücke sofort einem jungen Menschen den Auftrag, nach dem Landungsplatz zu laufen und dort mit lauter Stimme bekannt zu machen, dass in dem Schiff sich zwei Europäer befänden. Sofort stürzte der Pöbel teils vom Ufer her, teils auf kleinen Nachen auf die Barke los. Der Schiffer und die Diener entflohen. In wenigen Augenblicken hatte man die armen Opfer umzingelt, geknebelt und zur Erde niedergeworfen. Man beraubte den Bischof seiner sämtlichen Kleider und schlug wütend mit Bambusstöcken auf ihn ein. Ein Unmensch stieß dann von unten einen Stock in den Leib des schon ohnmächtigen Bischofs, während zwei andere ihm die Augen ausstachen. Das Übermaß der Schmerzen brachten den unglücklichen Oberhirten für einige Augenblicke zur Besinnung, während welcher er den die Eingeweide zerreißenden Stock aus seinem Körper zu ziehen suchte.  Kaum hatte man das bemerkt, als man unter Spott und Hohn zu einem starken Bambusrohr griff und dieses nun mit Gewalt auf dieselbe Weise den Körper hinauftrieb, so dass das obere Ende zum Hals heraustrat. Bei dieser grässlichen Tat gab der hochwürdigste Herr – das Martyrium hatte ungefähr drei bis vier Stunden gedauert – seinen Geist auf. Sein Begleiter war ihm bereits im Tod vorausgegangen. Man hatte ihn eines seiner Augen beraubt und dann mit Bambusrohren zu Tode gestoßen. Nach dem Bericht von Augenzeugen hatten sich die beiden Bekenner anfangs gegenseitig Mut eingesprochen und dann klaglos die entsetzliche Mater über sich ergehen lassen.

Msgr. Fantosati war geboren am 16. Oktober 1842 zu Trevi (S. Maria in Valle) im Erzbistum Spoleto, trat sehr jung in den Orden und wurde auf seine Bitte 1867 als neugeweihter Priester in die chinesische Mission gesendet. Er wirkte zuerst in Ost-Hupe, übernahm dann die Prokura der Mission und 1892 die Verwaltung des Apost. Vikariates von Süd-Honan. „Bis jetzt“, so hatte er kurz vor dem Ausbruch der Verfolgung geschrieben,  „haben uns Gott sei Dank die Behörden und das Volk respektiert, allein die Lage ist gefahrdrohend. Doch sind wir mit Gottes Gnade bereit, eher alle Qualen zu erdulden, als unseren Posten zu verlassen. Ich empfehle mich sehr Ihrem Gebet, damit wir in aller Drangsal standhaft bleiben und den Lohn erlangen, welcher der Beharrlichkeit bis in den Tod verheißen ist.“ Man sieht, mit welcher Gesinnung diese Männer ihrem Tode entgegengingen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Donnerstag, 28. Januar 2016

Große Missionsbischöfe: Ein Missionsgeneral fällt – Msgr. Ferdinand Hamer C.I.C.M., Apostolischer Vikar der Südwest-Mongolei (Teil 2)

Gedenktafel an Msgr. Hamers Geburtshaus mit dem Wappenspruch „Per te Virgo sim defensus“ aus dem Stabat Mater. (Quelle: Willemnabuurs)

Fortsetzung von hier

Der Bischof gab ihnen ein Schreiben an die Missionäre von San-tao—ho mit, in welchem er auch ihnen seinen Entschluss mitteilte, allen für ihre Liebe und ihren Eifer dankte, sie um Verzeihung bat für alle begangenen Fehler und sich ihrem Gebet empfehlend Abschied nahm für dieses Leben. „Aus jeder Zeile sprach das liebende Herz des heiligen Mannes und der Eifer des Apostels, der 35 Jahre lang sich ganz für das Heil dieser Völker geopfert hatte.“ Während die Missionäre dem Befehl Folge leisteten, setzte der greise Veteran die Residenz mit den Christen, so gut es ging, in Verteidigungszustand, ließ Schanzen aufwerfen und sprach allen Mut zu. Die Boxerhorden wagten denn zunächst auch keinen Angriff, setzten aber rings in der Gegend alle Christendörfer in Brand. Am 11. Juli fand der erste Angriff auf Ol-sche-se-tsing-ti statt. Er wurde abgeschlagen. Ein zweiter Sturm am 13. Juli gleichfalls. Inzwischen war aber der Feind durch 100 Mann regulärer Truppen verstärkt worden.

Am Morgen des 20. Juli wurde ein heftiger Angriff gemacht und das Hauptwerk der Christen, die befestigte Kirche, erstürmt. Der Bischof befand sich gerade mit seinem einheimischen Diakon Thaddäus Jang in der Sakristei, um sich zum heiligen Opfer vorzubereiten. Er selbst sollte diesmal das Opfer sein. Ein furchtbares Morden begann. An 500 Christen wurden niedergemacht. Vier Mordgesellen fanden endlich den Bischof. Er empfing sie ruhig und gefasst. Sofort wurde er von rohen Fäusten gefasst und herausgeschleppt. Man riss ihm die Kleider vom Oberkörper, durchbohrte die Stelle zwischen Schlüsselbein und Schulterblatt und zog durch die Wunde eine Kette, an welche auch der Diakon befestigt wurde. Dann wurden beide auf die Landstraße vor dem Dorf hinausgeführt, dort an einen Pfahl gebunden und dem Gespött des Heidenpöbels preisgegeben. Inzwischen wurde im Dorf das Mord- und Zerstörungswerk vollbracht. In einer Zwischenpause, da der Bischof allein war, gelang es einem treuen Christen Namens Wang-öl, sich heranzuschleichen. Msgr. Hamer gab ihm den Auftrag, die Kunde von dem Geschehenen nach San-tao-ho zu bringen. „Wie kann ich das? Man wird mich töten.“ – „Geh nur,“ sagte der Bischof, „du hast meinen Segen.“ Hiernach wurden Bischof und Diakon auf einen Karren geworfen und unter starker Geleitschaft nach der 30 Meilen entfernten „Blauen Stadt“ gebracht. Auf dem Weg und in den Herbergen hörte der tapfere Bischof nicht auf, der neugierig zuströmenden Menge den wahren Glauben zu verkünden. Der Obermandarin der „Blauen Stadt“ wollte indes mit der Angelegenheit nichts zu tun haben, und so ging der Zug weiter nach dem 20 Meilen entlegenen Tu-o-tseng. Hier sollte der gefangene Bischof die Palme erringen.

Wir entnehmen die näheren Einzelheiten über sein Ende einem Brief des hochw. P. Eyck vom 3. Januar 1901. „Vier Tage hindurch wurde der ehrwürdige Greis, seiner Kleider beraubt, durch die Straßen geführt und auf den öffentlichen Plätzen an einen Pfahl gebunden ausgestellt. Jeder konnte mit dem Bischof nach Herzenslust seinen Mutwillen treiben. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welche Unbilden er von dem rohen Pöbel erfahren musste. Der eine raufte ihm Bart- und Haupthaare aus, ein anderer gab ihm Backenstreiche, ein dritter schnitt ihm mit seinem Schwert oder Messer Stücke Fleisch vom Leib und dergleichen mehr. Der heiligmäßige Greis hatte auf alle Rohheiten nur die eine Antwort: ‚Ich verzeihe euch und werde für euch beten.‘

Nach diesen tagelangen Quälereien gab der Mandarin den Bekenner den Soldaten und Boxern preis, die mit dem Sterbenden ein grässliches Spiel trieben. Sie hingen ihn an einem eisernen Haken auf, den Kopf nach unten. In die Wunden stopften sie Watte und zündeten sie an. Die Eingeweide wurden aus dem Leib genommen. Dabei zwangen die Boxer, so erzählte man, einen Bettler, das Herz des Bischofs zu verzehren. Das Fett, das aus dem Leichnam tropfte, wurde in Töpfen aufgefangen und später in kleine Gefäße zerteilt und um hohen Preis verkauft, da man ihm einen wunderbare Heilkraft zuschreibt, besonders gegen Eitergeschwüre, an denen die Chinesen viel leiden. So wenigstens erzählen die chinesischen Christen von Ol-sche-se-tsing-ti, die es aus dem Mund von Augenzeugen gehört. Die Heiden hielten den Bischof wegen seines langen Bartes für einen Greis von 200 Jahren. Wahrlich, Msgr. Hamer hat sein 35-jähriges Apostolat glorreich beschlossen, und es steht zu hoffen, dass wir ihn eines Tages auf den Altären sehen werden.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Mittwoch, 27. Januar 2016

Große Missionsbischöfe: Ein Missionsgeneral fällt – Msgr. Ferdinand Hamer C.I.C.M., Apostolischer Vikar der Südwest-Mongolei (Teil 1)

(Bildquelle:  KliB/KDC, Nijmegen)


Unsere katholischen Missionsbischöfe stehen im Kampf nicht, wie sonst meist die Generale und Heerführer, hinter der Schlachtlinie und außer Schussweite. Darum lichtet ein heftiger Kampf stets zuvörderst auch ihre Reihen. Das hat sich wieder bei der letzten furchtbaren Verfolgung in China [Boxeraufstand] gezeigt. In den am meisten betroffenen Nord- und Binnenprovinzen sind nicht weniger als 7 Bischöfe, 5 durch blutigen Tod, 2 infolge der ausgestandenen Drangsale, gefallen. Dazu brachte der Beginn dieses Jahres noch zwei weitere Todesmeldungen. Wie furchtbar der Sturm durch die blühende Mission der Mongolei gerast, haben wir früher wiederholt berichtet. Außer den 8.000 Christen und den 8 Missionaren, die ihm zum Opfer fielen, krönte auch der Apost. Vikar der Südwest-Mongolei, Msgr. Ferdinand Hamer, aus der belgischen Kongregation vom Unbefleckten Herzen Mariä von Scheutveld seine lange apostolische Laufbahn mit dem Tode des Bekenners.

Er war der letzte der vier Pioniere, welche 1865 die mongolische Mission eröffnet hatten. Geboren zu Nijmegen in Holland am 21. August 1840, schloss sich Hamer bald nach seiner Priesterweihe (10. August 1864) der neu gegründeten Genossenschaft und den Missionären an, die 1865 zuerst die weite Fahrt nach den mongolischen Steppen wagten. 1878 finden wir ihn als ersten Apost. Vikar von Kansu wieder, von wo aus er die Mission in Ili-Kuldscha (Ost-Turkestan) gründete. Etwa 10 Jahre später (1889) wurde er als Apost. Vikar nach der Südwest-Mongolei versetzt. Wir übergehen vorläufig seine überaus segensreiche Tätigkeit auf diesem Posten, um ausführlicher bei seinem glorreichen Ende zu verweilen.

Kurz vor dem Ausbruch der Verfolgung hatte Msgr. Hamer seine Residenz nach Ol-sche-se-tsing-ti verlegt, einem Mittelpunkt blühender Christengemeinden. Bereits im Juni 1900 begannen die Boxer ihr blutiges Spiel. Bald trafen von allen Seiten Hiobsbotschaften ein. Anfang Juli fanden sich in Ol-sche-se-tsing-ti  eine Anzahl Missionäre zur Beratung zusammen. Ihr Plan war, sich mit den Christen in der bischöflichen Residenz einzuschließen und um ihr Leben zu fechten. Alle waren fest entschlossen, bei ihrem Bischof und den Christen ähnlich wie ihre Mitbrüder in der Zentral- und Ost-Mongolei auszuharren. Es kam auf die Entscheidung des greisen Oberhirten an. Dieser zog sich einige Zeit in die Kapelle zurück, um vor dem Allerheiligsten die Lage zu erwägen. Ruhig und gefasst kehrte er nach einer Weile zurück. „Meine lieben Patres,“ so sprach er nach dem Bericht eines Augenzeugen, „ich bin der Fu-Mu (d. h. Vater und Mutter, chinesischer Ausdruck für die Obrigkeit) nicht bloß meiner Christen, sondern auch meiner Priester. Ich habe vor Gott meine Pflicht erwogen, und ich erkläre, dass ich es nicht mit meinem Gewissen vereinigen kann, meine sämtlichen Missionäre der sicheren Todesgefahr auszusetzen. Solange sich also ein Ausweg bietet, muss ich ihn nehmen, um meine Mission nicht ihrer Priester zu berauben. Steht nicht in der Schrift: ‚Wenn man euch in einer Stadt verfolgt, so fliehet in eine andere‘? Eine rasche Flucht bietet allein noch Aussicht auf Rettung. Deshalb befehle ich, dass alle hier befindlichen Missionäre noch diese Nacht nach San-tao-ho (die westlichste Station, von wo der Weg nach Zentralasien offen lag) aufbrechen. Was mich angeht, so bin ich alt, und meine Tage sich gezählt. Falls es unserem Herrn gefällt, das Opfer anzunehmen, so setze ich mein Leben bereitwillig daran für meine Christen und meine Missionäre. Möge Gott meine Missionäre, die wackeren Apostel der Mongolei, bewahren!“

Alle waren bei diesen Worten tief ergriffen und manche Träne rollte über den Bart hinab. Umsonst protestierten alle gegen den Entschluss des Bischofs. Er blieb fest und erwiderte ruhig: „Ich bleibe allein hier; ihr seid unter schwerer Sünde zum Gehorsam verpflichtet. Geht, meine Kinder; Gott sei mit euch.“ Es musste also sein. Unter Tränen und Schluchzen wurde Abschied genommen. Noch einmal spendete ihnen der ehrwürdige, allgeliebte Oberhirte seinen Segen, und dann ging’s hinaus in die dunkle Nacht. Alle fühlten: es war auf Nimmerwiedersehen hienieden.


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

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